Donnerstag, 13. April 2023, 20:00 Uhr (Premiere) und Sonntag, 16. April, 17:00 Uhr
Leben in der Vorhölle Eine Hommage an Christine Lavant zum 50. Todestag Theater im Kürbis – Unterer Markt 24, 8551 Wies
Regisseur Karl Posch inszeniert den dramatischen Lebenslauf von Christine Lavant in Form einer szenischen Lesung. Der Bogen spannt sich von ihrem literarischen Schaffen bis zu prägenden Begegnungen und Erlebnissen, verbunden mit der Aufarbeitung ihres eigenen Schicksals. Neben ihren lyrischen Werken nehmen vor allem ihre Prosawerke einen wichtigen Teil ein. Begleitend dazu wird die Portraitserie Christine Lavant von Ernst Peter Prokop gezeigt.
Lavant lesen VII – Klemens Renoldner und Alois Hotschnig „Dem Hindernis einen Sinn geben“
Der Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Vorsitzende des Literarischen Beirats der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft lädt den Christine-Lavant-Preisträger 2022 – Alois Hotschnig – ins Literaturhaus Wien ein, um über ausgewählte Prosatexte von Christine Lavant zu sprechen.
Montag, 5. Juni 2023, 22.30 Uhr ORF2 Kultur
„Wie pünktlich die Verzweiflung ist“ Der ORF widmet Christine Lavant eine Spieldokumentation, die an diesem Sendeplatz zum ersten Mal ausgestrahlt wird (Dauer 45 Minuten) Ein Film von Danielle Proskar mit Gerti Drassl (Produktion: Graf Film)
2023 jährt sich der Todestag von Christine Lavant zum 50. Mal – dies ist Anlass für viele Veranstaltungen, um der Dichterin zu gedenken und ihr Werk in den Mittelpunkt zu stellen. Nachstehend finden Sie erste Veranstaltungshinweise. Es sind einige weitere Veranstaltungen in Planung und wir werden Sie gerne darüber informieren.
Den Auftakt macht am 2. März Klaus Amann in Salzburg:
Literaturfrühstück mit Klaus Amann „Ich bin maßlos in allem“ Zu Christine Lavant
Klaus Amann, der langjährige Leiter des Robert Musil-Instituts Klagenfurt und einer der besten Kenner des Werks von Christine Lavant (Herausgeber der 4-bändigen Werkausgabe im Wallstein Verlag) gibt beim Literaturfrühstück zum 50. Todestag der Autorin Einblicke in Leben und Werk von Christine Lavant.
Eintritt: 7,-/ermäßigt 5,-
Das bekannte Vokalensemble Hortus MusicusKlagenfurt startet seine Veranstaltungsreihe im März:
Ich hab genug erfahren
Gedichte der großen Lyrikerin Christine Lavant (1915-1973) wurden sehr oft von Komponisten vertont. Das Programm bringt Werke von Angélica Castelló, Günter Mattitsch, Dietmar Pickl, Hannes Raffaseder, Wilfried Satke und Burkhard Stangl.
Der Kärntner Schriftsteller Jani Oswald hat im Hinblick auf das lyrische Schaffen von Christine Lavant 5 Gedichte verfasst, die in das musikalische Programm eingebaut werden
30. März 19.30 Klagenfurt Markuskirche, Kaufmanngasse 11
31. März 19.30 Villach Burgkapelle, Burgplatz 1
Im April gibt es die Gelegenheit „Das Wechselbälgchen“ wieder zu sehen und zu hören. Nicht nur in Wien, sondern auch im Rahmen des Österreich-Schwerpunkts bei der Leipziger Buchmesse.
Samstag 22. April 2023, 19:30 – Wien, Theater AKZENT
Freitag, 28. April 2023, 19.30 Uhr, Leipzig – Ballsaal/Theater Lindenfels
Stimme – Anne Bennent Musik – BROT & STERNE: Franz Hautzinger, Matthias Loibner, Peter Rosmanith
Bei der Leipziger Buchmesse widmet das Gastland Österreich dieser besonderen Autorin einen Abend: und zwar in Form einer sehr speziellen Präsentation ihres Prosatextes „Das Wechselbälgchen“ – Anne Bennent, eine der markantesten Schauspielerinnen des deutschen Sprachraums, liest den Text und wird dabei begleitet von der Musikformation „Brot & Sterne“: das sind Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Peter Rosmanith.
Im Mai warten gleich drei interessante Abende auf Lavant-Interessierte und solche, die es noch werden wollen.
3. Mai 2023, 19:00 Literaturmuseum/Grillparzerhaus, Johannesgasse 6, 1010
Vorlesung zur Österreichischen Literatur: Jenny Erpenbeck über Christine Lavant
Jenny Erpenbeck zählt zu den bekanntesten Schriftsteller:innen im deutschen Sprachraum. In ihren vielfach ausgezeichneten Büchern befasst sie sich unter anderem mit der jüngeren Zeitgeschichte, dem Umgang mit geflüchteten Menschen und dem Ende der DDR. Zuletzt setzte sich Erpenbeck intensiv mit Leben und Werk von Christine Lavant auseinander, denn „Christine Lavant ist eine von den ganz großen, ureigenen Dichterinnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Durch ihren Blick hindurch auf die Welt zu sehen, verändert etwas fürs Leben.“
16. Mai 2023, 19:00 Literaturhaus Wien (1070 Wien, Eingang Ziegerlgasse 26a)
Lavant lesen VII – Klemens Renoldner und Alois Hotschnig
Der Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Gründungsdirektor des Stefan Zweig Centers und Sprecher des literarischen Beirats lädt den Christine-Lavant-Preisträger 2022 Alois Hotschnig ins Literaturhaus Wien, um sich lesend und diskutierend dem Werk der Dichterin mit einer für diesen Abend getroffenen Auswahl von Texten anzunähern.
25. Mai 2023, 20.30 Porgy & Bess (1010 Wien, Riemergasse 11) Live & Stream
Vor über 20 Jahren schon begann die Musikerin und Sängerin Ramona Kasheer Lieder aus Lyrik Christine Lavants zu weben. 2018 bis 2020 erschienen 3 Alben der „Ramona Kasheer singt Lavant“-Reihe auf ihrem eigenen Label. Im Porgy & Bess wird das 4. Album präsentiert.
Tel.: +43 1 5128811, E-Mail: porgy@at
Im Juni führt der Weg nach Spittal/Drau, wo die Komödienspiele in der Veranstaltungsreihe „Magie der Poesie“ Christine Lavant ienen Abend widmet.
7. Juni 2023, 20:00 Komödienspiele Spittal – Theater in den Probebühnen (Spittal/Drau, Villacher srta0e 93-95)
MAGIE DER POESIE zum 50. Todestag von Christine Lavant 7. Juni 2023 | 20.00 Uhr
Anlässlich des 50. Todestages von Christine Lavant veranstalten wir einen Abend in unserer Reihe der BühnenTräume. Mit der Josefstadt-Schauspielerin Alexandra Krismer, die selbst lange Zeit zum Ensemble Porcia gehörte, und der Kuratorin Annemarie Türk lassen wir die Worte dieser zerbrechlichen Kärntner Lichtgestalt der Poesie lebendig werden. Erinnerungen an sie und ihr berührendes Werk wird mit Lesungen ihrer Gedichte diesen Abend bestimmen. Denn wir sind überzeugt, dass sie weiterlebt im Klang ihrer Worte und dass wir in Kärnten gerade auf diese besondere Frau stolz sein dürfen.
Intendantin Angelica Ladurner und Journalist Marco Riebler bitten ins Theater in den Probebühnen nach Spittal an der Drau!
Im Juli erleben wir den Hortus Musicus Klagenfurt wieder, diesmal mit der großartigen musikalischen Umsetzung der Erzählung „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“
Dieter Kaufmann hat die Erfahrungen von Christine Lavant, die sich freiwillig nach einem Suizidversuch im Jahr 1935 sechs Wochen in der Psychiatrischen Abteilung (Landes – Irrenanstalt) des Landeskrankenhauses Klagenfurt aufgehalten und später darüber geschrieben hat, dramaturgisch eingerichtet und vertont.
Das zweiteilige Werk wird zum Teil semi-szenisch gestaltet, einzelne Personen aus den Aufzeichnungen (Schwester, Primarius, Gerichtspsychiater u.a.m.) werden von den Vokalsolisten übernommen.
1. Juli 19.30 Klagenfurt Künstlerhaus, Goetheparkl 1 2. Juli 19.30 Villach Musikschule, Widmanngasse 2
Dies ist ein kleiner Vorgeschmack auf Veranstaltungen Christine Lavant zu Ehren – auch das Burgtheater ehrt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft Christine Lavant. Es ist ein Abend im Casino des Burgtheaters am Schwarzenbergplatz in Planung.
In Klagenfurt bereitet das Musilmuseum in Klagenfurt eine Ausstellung zeitgenössischer Künstler:innen zu Christine Lavant vor.
Einer Tradition folgend, war der Preisträger des Christine-Lavant-Preises 2022, Alois Hotschnig, auf Einladung unserer literarischen Gesellschaft auch heuer wieder Gast der Wiener Buchmesse. Im Gespräch mit Katja Gasser, Mitglied der Jury des Christine-Lavant-Preises, kam Hotschnig noch einmal auf seine Dankesrede vom 2. Oktober 2022 zurück. Er erzählte, wie er als Schüler auf die Dichterin Christine Lavant aufmerksam gemacht wurde und dass die Lektüre ihrer Gedichte tatsächlich ein wichtiger Anstoß für ihn war, selbst zu schreiben. Katja Gasser befragte den Autor zur Verfahrensweise bei seinem letzten Roman, „Der Silberfuchs meiner Mutter“ (2021), der die Lebensgeschichte eines Schauspielers nachzeichnet. Hotschnig erzählte von seinen Recherchen über die Nazi-Einrichtung „Lebensborn“, von den Schicksalen der in diesem nationalsozialistischen Erziehungs-Programm aufgewachsenen Jugendlichen, aber auch von den vielen Gesprächen mit dem Vorbild seines Buches. In dem halbstündigen Gespräch wurde schließlich auch über den Roman „Ludwigs Zimmer“ (erschienen 2000) gesprochen und vom Kärntner Nebenlager des KZ Mauthausen, in dem Zwangsarbeiter interniert waren, die an einem Tunnel unter dem Loibl-Pass arbeiteten. Nicht zuletzt durch Hotschnig’s Initiative wurde an diesem Ort eine Gedenkstätte für die vielen Toten der beiden Lager Loibl-Nord und Loibl-Süd errichtet.
Die Stuhlreihen der STANDARD-Bühne waren dicht besetzt und das Publikum folgte dem Messetrubel trotzend aufmerksam dem leider zu kurzen, aber hochinteressanten Gespräch.
Am Samstag, den 26. November 2022, kann man Alois Hotschnig um 13.30 Uhr auf DER STANDARD-Bühne der Buch Wien erleben.
Katja Gasser, die künstlerische Leiterin des Österreich-Schwerpunkts bei der Leipziger Buchmesse 2023 und Mitglied des Literarischen Beirats der ICLG, spricht mit Alois Hotschnig nicht nur über sein literarisches Schaffen, sondern auch um seinen Bezug zur Kärntner Dichterin Christine Lavant und welche Bedeutung dieser Preis für ihn hat.
Messe Wien Halle D (2. Bezirk, Trabrennstraße/ U2 Krieau)
Infos: buchwien.at. Vorverkauf in allen Thalia-Buchhandlungen und im Online-Ticketshop: buch wien.at/tickets
Am 7. Dezember singt in der Alten Schmiede Ramona Kasheer begleitet von Melissa Coleman (Cello) und Pamelia Stickney (Theremin) „Lieder nach Christine Lavant.
Vor rund 20 Jahren fing die Vorarlbergerin Ramona Kasheer mit der Vertonung von Gedichten von Christine Lavant an. Mittlerweile nehmen diese einen zentralen Platz in ihrem Schaffen ein und wurden auf 3 CDs veröffentlicht – zuletzt 2019 „Fluchtwurzel“.
Im Oktober gibt es noch einen weiteren Höhepunkt – die fünfte Ausgabe von „Lavant lesen“ im Literaturhaus Wien.
Am 10. Oktober treffen im Literaturhaus Wien Monika Rinck und Theresia Prammer im Rahmen unserer Gesprächgsreihe zu und über Christine Lavant zu einem Austausch über verschiedene Texte der Kärntner Dichterin zusammen.
Überschrieben ist dieser Abend mit der Verszeile „TEIL MICH ENDLICH AUS“ (aus: Diese deine Herbergstelle), ein Zitat, auf das Theresia Prammer und Monika Rinck im Gespräch immer wieder zurück kommen werden.
Lavant Lesen V: Teil mich endlich aus Mit Monika Rinck und Theresia Prammer Literaturhaus Wien (1070 Wien, Zieglergasse 26a) Montag, 10. Oktober 2022, 19 Uhr
Monika Rinck ist Autorin und Übersetzerin. Sie lehrt an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Seit 1998 viele Veröffentlichungen in diversen Verlagen. Im Jahr 2019 erschienen ALLE TÜREN (Gedichte) bei kookbooks, CHAMPAGNER FÜR DIE PFERDE (Lesebuch) im Fischer Verlag, 2022 folgt BEGRIFFSSTUDIO 1 – 4999 bei Spector Books. 2020 hielt sie die Frankfurter Poetikvorlesungen, 2022 erhält sie den Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Seit 2021 gehört sie dem literarischen Beirat der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft an.
Theresia Prammer ist Übersetzerin und Autorin. Theresia Prammer übersetzt Lyrik aus dem Französischen und Italienischen (u. a. Pier Paolo Pasolini) ins Deutsche sowie aus dem Deutschen ins Italienische und publiziert Bücher zur Gegenwartsliteratur und Übersetzungstheorie. Seit 2013 betreibt sie in Berlin den Literatursalon Attico, 2020 gründete sie das Dante-Zentrum für Poesie und Poetik. Als Dozentin ist sie dem Institut für Sprachkunst in Wien verbunden. Zuletzt erschienen: Pier Paolo Pasolini: NACH MEINEM TOD ZU VERÖFFENTLICHEN. Späte Gedichte (2021, Suhrkamp). Seit 2003 lebt sie überwiegend in Berlin.
„Diese deine Herbergstelle hast du lange schon gemieden und ihr Rauch steigt abgeschieden. Feigenwurz zersprengt die Quelle, die dein Brunnen war. Schon seit Tag und Jahr üb ich mich im Hungerleiden, um das Brot nicht anzuschneiden, das ich aus dem Feuer holte und mit dir verzehren wollte, nur mit dir allein! Härter als ein Stein und – weiß Gott wovon? – besessen rollt es schimmlig und vergessen durch das ganze Haus. Oft im Traum hör ich es sprechen: Komm mich schneiden oder brechen, teil mich endlich aus“
„Diese deine Herbergstelle hast du lange schon gemieden und ihr Rauch steigt abgeschieden. Feigenwurz zersprengt die Quelle, die dein Brunnen war. Schon seit Tag und Jahr üb ich mich im Hungerleiden, um das Brot nicht anzuschneiden, das ich aus dem Feuer holte und mit dir verzehren wollte, nur mit dir allein! Härter als ein Stein und – weiß Gott wovon? – besessen rollt es schimmlig und vergessen durch das ganze Haus. Oft im Traum hör ich es sprechen: Komm mich schneiden oder brechen, teil mich endlich aus“
Die Gesprächsreihe „Lavant lesen“, während der Ausstellung „Christine Lavant. Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß“ begonnen, konnte trotz Pandemie bedingter Lockdowns fortgesetzt werden. Am 10. Oktober 2022 treffen die Schriftstellerin, Übersetzerin und Lehrende am Institut für Sprachkunst Monika Rinck und die Autorin und Übersetzerin Theresia Prammer zu einem Austausch über verschiedene Texte der Kärntner Dichterin zusammen.
Überschrieben ist dieser Abend mit der Verszeile „TEIL MICH ENDLICH AUS“, ein Zitat, auf das Theresia Prammer und Monika Rinck im Gespräch immer wieder zurück kommen werden.
Monika Rinck ist Autorin und Übersetzerin. Sie lehrt an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Seit 1998 viele Veröffentlichungen in diversen Verlagen. Im Jahr 2019 erschienen ALLE TÜREN (Gedichte) bei kookbooks, CHAMPAGNER FÜR DIE PFERDE (Lesebuch) im Fischer Verlag, 2022 folgt BEGRIFFSSTUDIO 1 – 4999 bei Spector Books. 2020 hielt sie die Frankfurter Poetikvorlesungen, 2022 erhält sie den Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. http://begriffsstudio.de/
Theresia Prammer ist Übersetzerin und Autorin. Zuletzt erschienen: Pier Paolo Pasolini: NACH MEINEM TOD ZU VERÖFFENTLICHEN. Späte Gedichte (2021, Suhrkamp).
In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Wien „Lavant lesen V“ 10. Oktober.2022 um 19 Uhr Literaturhaus Wien, 1070 Wien, Eingang Zieglergasse 26A
Am 2. Oktober 2022 wird der Christine Lavant Preis zum 7. Mal verliehen – dieser Preis versteht sich nicht nur als eine Erinnerung an die Kärntner Dichterin Christine Lavant, sondern will auch ihr zeitloses Werk, das immer an essentiellen Fragen rührt und von tiefer Menschlichkeit geprägt ist, lebendig halten und den Leser*innen neu erschließen.
Die namhafte Jury hat in der Vergangenheit diesen Preis an viele bekannte Schriftsteller*innen vergeben, wie etwa Angela Krauß 2019, Judith Schalansky 2020 und Maja Haderlap 2021.
Im Radiokulturhaus wird Florian Teichtmeister zum ersten Mal in den Kosmos Christine Lavants eintauchen und aus ihren Werken lesen, musikalisch umrahmt von dem jungen, aufstrebenden Duo Sonoma aus Kärnten.
Florian Teichmeister zählt zu den prominentesten und markantesten Gestalten des deutschsprachigen Films und Fernsehens und wurde vielfach für seine Rollengestaltungen ausgezeichnet. Seit seinen frühen Zwanzigern ist er auf vielen großen Bühnen zu Hause. Ab 2005 war er Ensemblemitglied im Theater in der Josefstadt, 2019 wechselte er ans Burgtheater.
Das Duo Sonoma – Mira und Sara Gregorič – verbindet seit frühester Jugend die Freude am gemeinsamen Musizieren. Das Musikstudium führte die Schwestern nach Wien und nach Linz, wo sie sich weiter qualifizieren konnten und zu eigenen Kompositionen und Stil fanden. 2021 veröffentlichten sie die erste CD mit dem Titel „DUO SONOMA – 1“.
AT: Neben vielen anderen Literaturprogrammen gestalten Sie auch „Du holde Kunst“, ein Feature mit langer Tradition und noch immer von vielen sehr gerne gehört. In ihrer Literaturauswahl finden sich in schöner Regelmäßigkeit Gedichte von Christine Lavant. Warum ? Ist dies ihren persönlichen Vorlieben geschuldet oder weil man an dieser Größe der österreichischen Literatur einfach nicht vorbei kann.
Gudrun Hamböck: Zweiteres. Christine Lavants Lyrik ist von hoher Qualität und damit relevant für die Sendung „Du holde Kunst“. Zudem ist sie auch thematisch vielfältiger, als man glauben würde, wenn man sich noch nicht vom Lavant-Klischee der religiösen Schmerzensfrau gelöst hat. Ich denke da zum Beispiel an die ziemlich unverklausulierte Erotik in ihren nachgelassenen Gedichten, aber auch an ihre wunderbaren Naturgedichte und natürlich an diese interessante Ambivalenz in ihrem Gottesbegriff. Daher sind ihre Gedichte auch in Sendungen verschiedenster Thematiken einsetzbar.
AT: Was macht für Sie die Besonderheit dieser Kärntner Dichterin aus, die in ihren Texten so weit über die Enge ihrer Heimat und den schwierigen persönlichen Verhältnissen, hinauswuchs ?
Gudrun Hamböck: Das Existenzielle ihrer lyrischen Stimme, einer Stimme, die sich zu artifiziell gestaltet, um bloß Selbstoffenbarung zu sein.
AT: Die Werke der Christine Lavant zählen zu den Standards der österreichischen Literatur und dennoch sind diese noch nicht so im Bewusstsein auch der literarisch interessierten Öffentlichkeit verankert. Dazu kommt, dass über Jahrzehnte ein Bild ihrer Persönlichkeit gezeichnet wurde, das ihr nicht entsprach und ihr nicht gerecht wurde. Warum ist das so und wie, glauben Sie, kann man dem entgegen arbeiten ?
Gudrun Hamböck: Im restaurativen Nachkriegsösterreich wurde Christine Lavants Dichtung zwar als ideologisch unbelastet gefördert, aber sehr eng katholisch interpretiert. Die Gedichte, die nicht ins Bild passten, blieben unveröffentlicht. Als dann die Dichtung in Deutschland eine politisch engagierte wurde und in Österreich mit der Wiener Gruppe avantgardistisch, verschwanden ihre Gedichte aus den Anthologien. Dazu kommt, dass ihr Werk bis heute von ihrer Person „verstellt“ wird.
Entgegengearbeitet wird dem Lavant-Klischee schon eine Weile; bereits Thomas Bernhards Auswahlbändchen bei Suhrkamp in den späten 1980ern hat da einen Grundstein gelegt. Heute ist es vor allem die ausgezeichnete Werkausgabe von Klaus Amann im Wallstein Verlag, die das Lavant-Bild verändert. Und die Ö1 Literaturredaktion mit den Lyrik-Sendungen „Du holde Kunst“ und „Nachtbilder“, dem Hörspiel („Das Wechselbälgchen“, „Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus“) u.a. versucht auch ihren Teil dazu beizutragen. Der 100. Geburtstag Christine Lavants etwa wurde auf Ö1 mit einem Programmschwerpunkt quer durch zahlreiche Sendungen gefeiert.
AT: Bis jetzt haben Sie in meiner Wahrnehmung vor allem Lyrik von Christine Lavant in ihren Sendungen gebracht, – wie denken Sie über ihre Prosa-Texte, die in der nunmehr vorliegenden 4-bändigen Werkausgabe, zum Teil erstmals publiziert wurden ?
Gudrun Hamböck: Ich muss zugeben, dass ich mich – mit Ausnahme des „Wechselbälgchens“ – mit Lavants Prosawerk bisher nur oberflächlich befasst habe. Eine Lücke, die ich bald schließen werde. So weit ich das sagen kann, scheint mir ihr Prosawerk stärker in ihrer Zeit verhaftet zu sein, als ihre Lyrik.
AT: Planen Sie weitere Sendungen, in denen Werke von Christine Lavant zu hören sein werden ?
Für den 2. Oktober, dem Sonntag, an dem die/der neue Preisträger/in 2022 im Radiokulturhaus vorgestellt wird, planen Sie ein „Du holde Kunst“, Gedichte gelesen von Martin Vischer – können sie uns schon verraten, was uns hier erwartet ?????
Gudrun Hamböck: Lavant-Gedichte werden in nächster Zeit in mehreren Ausgaben von „Du holde Kunst“ zu hören sein. Am 22. Mai liest Silvia Meisterle unter dem Motto „Unter dem Schutthaufen der Zeit hüte ich die Hoffnung“ Gedichte zu weiblicher Tapferkeit, von Lavant u.a. das wunderbare „Jedes Leid fällt von selbst“. Gleich am Sonntag darauf, am 29. Mai, liest Till Firit unter dem Motto „Drin in den Alpen ists noch helle Nacht“ Berggedichte – darunter eines von Christine Lavant. Und „Du holde Kunst“ am 2. Oktober ist ihr zur Gänze gewidmet. Martin Vischer wird acht ihrer Herbstgedichte lesen. Sie hat ja, wie ihr erstes Vorbild Rainer Maria Rilke, eine Menge davon geschrieben. Außerdem wartet noch eine schöne Sendung mit Liebesgedichten aus dem Nachlass, die ich mit der großartigen Andrea Jonasson 2018 aufgenommen habe, im Archiv darauf wiederholt zu werden.
Gudrun Hamböck ist Literaturredakteurin bei Ö1 und Producerin der Sendereihe „Du holde Kunst“.
Oxana Matiychuk aus Czernowitz ist Germanistin und Literaturwissenschaftlerin, arbeitet in an der Universität ebendort und versucht seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine den Spagat zwischen Lehre, Abholung und Verteilung der humanitären Hilfe und Korrespondenz (und am Rande noch Haushalt) zu schaffen. Und sie schrieb uns über Ihr Leben in diesen Kriegstagen:
Seit dem 24.Februar 2022 musste ich oft denken, dass die Realität nur ein (Alb)Traum ist, dass ich an einem Morgen aus einem kurzen unruhigen Schlaf erwache und, im Gegensatz zu Gregor Samsa, erleichtert feststelle, dass meine Welt wieder einigermaßen in Ordnung ist. Jedoch ist seit diesem Tag nichts mehr wie früher – für Millionen Menschen in der Ukraine und über ihre Grenzen hinaus, sowie für mich persönlich. Ich bekomme gleich am ersten Tag so viele Mails von Freunden und Bekannten aus dem Ausland, dass ich nach einigen Stunden des erstens Schocks immerhin einen rationalen Gedanken fassen kann und im Gespräch mit dem Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas Dr. Florian Kührer-Wielach nach der Möglichkeit frage, ein Spendenkonto einzurichten. Mir ist klar, dass wir in unserer Region im äußersten Südwesten des Landes, in der unmittelbaren Grenze zu Rumänien, bald viele Geflüchtete Menschen haben werden. Und dass die Zivilgesellschaft, wie es 2014 der Fall war, auch viele Bedürfnisse für die Front decken muss. Das Ausmaß der Katastrophe kann ich an diesem Tag noch nicht erahnen. So wird die Spendenaktion „Netzwerk Gedankendach“ ins Leben gerufen. Seitdem behalte ich aus meinem früheren akademischen Leben nur noch die Lehre bei, die nach zwei Wochen Unterbrechung am 14.März wieder online aufgenommen wurde. Ansonsten werden die dank meiner vieljährigen Erfahrung im Kulturmanagement erworbenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Kontakte für eine andere Art Management eingesetzt: Für die Anschaffung, Abholung und Verteilung von Hilfsgütern. Vier Universitätswohnheime wurden in die Flüchtlingsunterkünfte umfunktioniert. Wir bilden ein universitäres Freiwilligenteam. Wir erfahren eine großartige Unterstützung durch die Partneruniversität Stefan cel Mare in Suceava, weil beinahe alle Hilfslieferungen über Rumänien kommen. Wir lernen viele wunderbare Menschen kennen, die uns helfen wollen. Wir laden die Hilfsgüter in den ersten Wochen an der Grenze um und fahren später mit der Sondergenehmigung für männliche Kollegen weiter nach Rumänien, den Hilfstransporten ein Stück entgegen. Es sind alles Erfahrungen, die ich nicht missen möchte, es schmerzt nur, dass die Umstände so tragisch sind.
Ich erfahre, dass eine Notgemeinschaft wie zur Zeit in unserem Haus, wunderbar funktionieren kann. Wahrscheinlich habe ich einfach Glück – mit Mutter und Tochter, die am 25.März aus Mariupol kommen, und mit einem Kollegen aus Zhytomyr, der zuletzt in Kyiv lehrte und lebte. Der Raum wird enger, dafür das Wahrnehmungshorizont weiter und die geografischen Kenntnisse präziser. Die Haushaltsführung profitiert eindeutig. Ich weiß bloß nach wie vor nicht, wie man mit Menschen aus Mariupol über ihre Stadt, die es nicht mehr gibt, spricht.
Über den Krieg und dessen Hintergründe gibt es sehr viel zu lesen, Wissenschaftliches und Literarisches, Sachlich-Analytisches und Dilettantisches, Rationales und Emotionales. Die aus Czernowitz gebürtige Schriftstellerin Chrystja Venhrynjuk, die in den letzten Jahren abwechselnd in der Ukraine und Bulgarien lebt, schreibt täglich Posts in Facebook für „meine werten Bulgaren“ über den Kriegsverlauf in der Ukraine. Ich kenne Menschen, die ihre Gefühle plötzlich in poetischen Zeilen ausdrücken, obwohl sie früher keinen Bezug zur Literatur hatten. Diese Texte haben freilich eine therapeutische und keine ästhetische Bedeutung. Oder sie sind Zeitzeugenberichte. Es sind Versuche, das Unfassbare, das Erlebte und das Traumatische zu artikulieren, um sich ein Stück davon zu befreien. Große Werke über diesen Krieg wird es erst später geben.
Diese Zeilen spiegeln mein persönliches Empfinden, meine persönliche Geschichte. Ich weiß, dass es vielen in meinem Bekanntenkreis ähnlich wie mir geht. Ich weiß aber auch, dass es vielen in meinem Bekanntenkreis anders ergeht. Es gibt Menschen, die sich neben ihrer eigentlichen Arbeit engagieren, und solche, die ihren alltäglichen Pflichten nachgehen, ohne sich zusätzlichen Aufgaben zu widmen. Es gibt Menschen, die stündlich Nachrichten lesen, und solche, die sich bewusst ausblenden. Alles ist Kriegsrealität, alles ist eine Frage der inneren Einstellung.