Lavant übersetzt

Die Lyrik Christine Lavants in russischer Übersetzung

© Ernst Peter Prokop

Immer wieder wagen sich ÜbersetzerInnen an die Lyrik Christine Lavants. Und so gibt es ihre Gedichte mittlerweile in den unterschiedlichsten Sprachen. Mit den Übersetzungen ins Russische beschäftigt sich eine wissenschaftliche Abschlussarbeit aus dem Jahr 2012. Das Textkorpus, das es an Übersetzungen ins Russische gibt, ist nicht allzu groß, vor allem wenn man es mit der Fülle an Übersetzungen von anderen österreichischen AutorInnen vergleicht. Nur der Gedichtband ,Die Bettlerschale‘ wurde als ganzes ins Russische übersetzt, allerdings als eine Art „Lesebuch“, d.h. als zweisprachigen Gedichtband. Abgesehen davon finden sich nur einzelne Gedichte in verschiedenen Anthologien. Die Diplomarbeit analysiert knapp 20 Übersetzungen mit einem sehr textnahen, strukturalistischen Ansatz.

Ein zentraler Befund dieser Übersetzungs-Analyse lautet: Lavants Lyrik zu übersetzen ist keine leichte Aufgabe. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, im Folgenden sollen vor allem drei kurz vorgestellt werden: 

Reim und Versmaß

Der Reim und das Versmaß spielt in Lavants Gedichten eine wesentliche Rolle. Wenn das Sprachsystem der Zielsprache sich stark vom deutschen Sprachsystem unterscheidet, wie das im Russischen der Fall ist, dann ist es sehr schwer, dem Originalgedicht sowohl äußerlich – also eben in Reim, Versmaß, Silbenanzahl, Strophenform, etc. – als auch inhaltlich zu folgen. Häufig entscheiden sich ÜbersetzerInnen dafür, dem Original entweder in der Form oder im Inhalt mehr zu entsprechen. Der jeweils andere Aspekt der Lyrik geht in so einem Fall aber beinahe zwangsläufig verloren. 

Komposita und Metaphorik

Für die Lyrik Christine Lavants sind neben ihrer – oft recht hermetischen – Metaphorik vor allem auch ihre Komposita, also zusammengesetzte Wörter, besonders typisch (z.B. Sonnenapfel, Bettlerschale, Trübsinnsstaude, uvm.). Andere Sprachen, wie auch das Russische, sind in der Kompositabildung weit weniger produktiv. Anders gesagt: Das Deutsche ist weithin bekannt dafür, speziell produktiv in der Kompositabildung zu sein (vgl. den gern als Beispiel herangezogenen Donaudampfschifffahrtskapitän und seine Mütze). Im Russischen werden diese Worte häufig mit Genetivkonstruktionen umschifft, was inhaltlich manchmal funktioniert, in anderen Fällen aber eine große Bedeutungsänderung bewirkt. Besonders problematisch wird diese Art der Übersetzung bei Komposita, die im Deutschen als fixe Wendungen gebraucht werden, über den deutschen Sprachraum (bzw. oft nur über die Grenzen Österreichs oder auch nur des Kärntner Lavanttals) hinaus, gänzlich unbekannt sind. So werden in den beiden russischen Übersetzungen des Gedichts „Es riecht nach Schnee“ (s.u.) aus den „Sternensingern“, die durchs Dorf gehen, wahlweise entweder „Lieder über Sterne“ bzw. „ausgereifte Liedern, welche Sterne“. Ein für österreichische LeserInnen sehr klares Bild, wird damit in den Übersetzungen wesentlich schwieriger nachvollziehbar und mitunter unverständlich. 

Ich und Du

Ein Spezifikum des Russischen (wie generell der slawischen Sprachen) ist, dass das Geschlecht eines Subjekts u.a. auch durch Verben und Adjektiv angezeigt wird (indem die Endung jeweils angepasst wird). Das hat zur Folge, dass in vielen russischen Übersetzungen das Ich und das Du aus vielen Lavant-Gedichten geschlechtlich markiert werden, während im Deutschen eine solche Zuteilung in den meisten Fällen ausbleibt. Damit passiert häufig eine Festlegung in der Übersetzung, und somit auch schon eine Interpretation. Wenn zum Beispiel das Ich als weibliches Ich fixiert wird und das Du als männliches Du, verkleinert das den Interpretationsspielraum erheblich. In einem der in der Arbeit analysierten Gedichte wird das Ich als männlich fixiert, was – angesichts der starken Rückbindung an die Autorin – sogar einen noch größeren Eingriff in die Interpretationsmöglichkeiten darstellt. 

Nach diesem Einblick lässt sich die Frage nach der Übersetzbarkeit der Lyrik Lavants abschließend vielleicht wie folgt zusammenfassen: Es ist nicht unmöglich, aber einfach ist es nicht! Das soll keinen Grund darstellen, keine Lyrik-Übersetzungen mehr zu lesen, sondern vielmehr eine Aufforderung dazu sein, in Zukunft den eigenen Umgang mit Übersetzungen zu überdenken und sich jedenfalls dessen bewusst zu sein, dass es sich eben um eine Übersetzung und damit ein Stück weit auch um eine Interpretation des Originals handelt. 

Zu guter Letzt sollen für des Russischen Kundige hier noch beispielhaft zwei Übersetzungen ein und desselben Lavant-Gedichtes präsentiert werden: 


Christine Lavant 

Aus: ,Die Bettlerschale‘

Es riecht nach Schnee, der Sonnenapfel hängt

so schön und rot vor meiner Fensterscheibe;

wenn ich das Fieber jetzt aus mir vertreibe,

wird es ein Wiesel, das der Nachbar fängt,

und niemand wärmt dann meine kalten Finger.

Durchs Dorf gehen heute wohl die Sternensinger

und kommen sicher auch zu meinen Schwestern.

Ein wenig bin ich trauriger als gestern,

doch lange nicht genug, um fromm zu sein.

Den Apfel nähme ich wohl gern herein

und möchte heimlich an der Schale riechen,

bloß um zu wissen, wie der Himmel schmeckt.

Das Wiesel duckt sich wild und aufgeschreckt

und wird vielleicht nun doch zum Nachbar kriechen,

weil sich mein Herz so eng zusammenzieht.

Ich weiß nicht, ob der Himmel niederkniet,

wenn man zu schwach ist, um hinaufzukommen?

Den Apfel hat schon jemand weggenommen …

Doch eigentlich ist meine Stube gut

und wohl viel wärmer als ein Baum voll Schnee.

Mir tut auch nur der halbe Schädel weh

und außerdem geht jetzt in meinem Blut

der Schlaf mit einer Blume auf und nieder

und singt für mich allein die Sternenlieder.




Übersetzung: O. Dumler

Запахло снегом, солнце за окном

на яблоко созревшее похоже;

мне жарко, но тепла я не тревожу:

сбежит к соседу маленьким зверьком,

и мне никто уж не согреет руки.

О звездах песен ждут мои подруги

от тех, кто к ним придет сегодня в дом,

и грустно мне, хоть страх мне незнаком,

грущу сегодня больше, чем вчера.

Я знаю, яблоко сорвать пора

и запах кожуры вдохнуть украдкой,

чтоб запах неба наконец узнать.

Зверек мой, ласка, собралась бежать

к соседу, видно, ей со мной не сладко,

и сердце вдруг сжимается в комок.

А небо наклонилось бы само

к тому, кто вверх поднимется едва ли?

Но вот куда-то яблоко убрали …

Так славно в моей комнате зимой,

у дерева в снегу все ж холоднее …

Боль в голове становится слабее,

и вот уже приходит сон цветной,

баюкает меня, меня качает

и песни звездные лишь мне слагает.




Übersetzung: Svetlana Odinzova

Так пахнет снегом, солнце зависает

Красивым яблоком златым за рамой,

И если жара след стряхну туманный,

Он лаской станет, что сосед поймает.

Тогда никто руки мне не согреет.

В селе, наверно, нынче песни зреют

Что звезды; будут петь и сестрам нашим.

Печальней нынче я, чем днем вчерашним,

Но уж давно забыла кроткой быть.

И яблоко хотелось бы впустить,

И в чаше дух его тайком вкусить,

Но только, чтобы неба вкус узнать.

И ласка будет прыгать и стонать,

Чтоб все-таки к соседу уползти,

Ведь сердцу тесно моему в постели.

А небо может падать на колени,

Коль нету сил совсем к нему подняться?

И к яблоку другой уж смог добраться …

Но комнатка моя притом добрей

И в ней теплей, чем дереву под снегом.

И полон череп вполовину бредом,

Восходит сон в крови моей скорей

С цветком покорным снова. И уходит.

И для меня одной песнь звезд приходит.



Text: Hanna Biller

Für Interessierte finden sich alle Quellenangaben und die gesamte Arbeit „Die Lyrik Christine Lavants in russischer Übersetzung“ unter folgendem Link zur Nachlese: http://othes.univie.ac.at/21840/1/2012-08-13_0507978.pdf

Hanna Biller ist unter anderem Literaturwissenschaftlerin und hat ihr Studium der Slawistik und ihr Studium der Germanistik mit Diplomarbeiten über die Lyrik Christine Lavants abgeschlossen. Mit diesem Beitrag verabschiedet sie sich nach knapp drei Jahren von ihrer Rolle als Projektassistentin der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft.

Interview mit dem Fotografen Ernst Peter Prokop

© Ernst Peter Prokop

Annemarie Türk: Sie haben 1963 Christine Lavant in ihrer Wohnung in St. Stefan im Lavanttal fotografiert und dabei ist ein beeindruckender Zyklus von 20 Bildern entstanden. War dies Ihre erste Begegnung mit der Dichterin?

Ernst Peter Prokop: Durch ein Foto von Franz Hubmann und Bilder von Werner Berg, wurde ich auch optisch auf Christine Lavant aufmerksam. Ihr ausdrucksstarkes Gesicht wollte ich unbedingt vor meine Kamera bekommen.

Im Oktober 1962 hatte ich eine Fotoausstellung in der Aula des Landesmuseums für Kärnten. Bei dieser lernte ich eine Gruppe angehender Lehrerinnen der LBA Klagenfurt kennen. Dabei war auch Barbara Grass, damals Schülerin der Lehrerbildungsanstalt, sie musste eine Arbeit bei Prof. Haselbach entweder über Ingeborg Bachmann oder Christine Lavant schreiben. Sie entschied sich für letztere. Ich bat sie, sie möge mit Christine Lavant einen Termin vereinbaren. Trotz hartnäckiger Anfragen von Barbara Grass sagte Christine Lavant mehrfach ab, –  „Barbara, du Sargnagel, gibst noch immer keine Ruhe“.  Im Mai 1963 gewährte sie doch einen Termin mit mir als Fotografen. Sie gab dabei auch zu verstehen, dass sie gerne für Fotos zu Verfügung stehe.

Der erste Termin war zu Allerheiligen 1962 geplatzt, der mir aber wahrscheinlich mein Leben rettete. Zwei Freunde wollten mit mir den Stüdelgrat auf den Großglockner gehen, ich sagte ihnen ab. Die beiden sind auf dieser Tour leider durch Blitzeis ums Leben gekommen.

Im Mai fuhr ich schließlich mit meinem Puchroller von Klagenfurt zuerst nach Wolfsberg, holte Barbara vom Autobus ab, und dann weiter nach St. Stefan in die Mansarden Wohnung von Christine Lavant.

Türk: Können Sie uns etwas erzählen über die Umstände und die Atmosphäre, in der diese Aufnahmen entstanden sind?

Prokop: Sie begrüßte uns sehr freundlich, beschwerte sich aber gleich, dass sie nun wieder einheizen müsste und kochen, da auch Kaffeekochen so gar nicht ihre Stärke sei. Barbara wurde angewiesen den kleinen Ofen einzuheizen, was ihr nicht auf Anhieb gelang. Christine Lavant reagierte darauf ziemlich ungehalten. Schließlich hat dann doch alles gepasst.

Ich bat sie mir ein Autogramm in einen Paperback Band ,Wirf ab den Lehm‘ zu geben. Sie sah mich von unten sehr verschmitzt an und sagte, dass sie gar nicht schreiben könne. Auf meinen nochmaligen Wunsch hin und den Einwand, dass ich das nicht glaube, machte sie 3 Kreuze ins Buch. Nach meinem abermaligen Prostet schrieb sie dann doch gutgelaunt ihren Namen ins Buch.

Inzwischen trafen drei Germanistikstudenten ein, sie meinte, dass sie zu wenig Platz für sie hätte, aber dann blieben sie doch längere Zeit.     

© Ernst Peter Prokop

Türk: Christine Lavant wirkt auf allen diesen Fotos entspannt, sehr wach und aufmerksam und scheint der Kamera keine Aufmerksamkeit zu schenken…

Prokop: Es war für mich ein Zusammentreffen glücklicher Umstände: Durch die Diskussionen, denen Christine Lavant konzentriert folgte, war sie von der Kamera abgelenkt, und die Tischlampe wirkte wie eine Fotoleuchte mit sehr wenig Licht. Dabei rauchte sie ununterbrochen ihre filterlosen Players Navy Cut Zigaretten. Es ging bei der Diskussion um ihren Briefverkehr mit Martin Buber und anderen deutschen Dichtern und Intellektuellen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ihr das Fotografiert werden Spaß machte, sie dabei auch belustigt und unterhaltsam reagierte. 

Mich faszinierten vor allem ihre Augen und ihr ausdrucksstarkes Gesicht mit dem sich ständig veränderten Ausdruck und den lebendigen Bewegungen ihrer Hände.

TürkHaben Sie ihr diese Fotos gezeigt und wie hat sie darauf reagiert?

Prokop: Es entstanden dabei 30 Aufnahmen, die ich auch als Mappe anbiete und auch schon bei mehreren Ausstellungen gezeigt habe (wie zuletzt im Literaturhaus Wien bei ,Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß‘ 2019)

Sie hat von mir dann auch einen Teil der Fotos erhalten, die ihr sehr gut gefielen.

Türk: Kam es zu weiteren Treffen und gibt es eventuell auch noch andere, bislang nicht gezeigte Fotos?

Prokop: Barbara Grass hat mir versichert, dass sie einen neuen Fototermin haben wollte, zu dem es dann aber leider nicht mehr kam. 

Als Pressefotograf traf ich sie noch öfters bei verschiedenen Veranstaltungen, Lesungen und Konzerten, bei denen es jedoch nicht möglich war ein Gespräch zu führen.

 Auf der Website von Ernst Peter Prokop finden Sie weitere Informationen: fotoprokop.com

Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus: Hörspiel des Monats Oktober 2019

Das im September 2019 im Mandelbaum Verlag erschienene Klangbuch „Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus“ von Gerti Drassl und Brot und Sterne wurde von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Oktober 2019 gekürt.

Die Internationale Christine Lavant Gesellschaft freut sich besonders und gratuliert ganz herzlich zur Auszeichnung.

Lesen Sie im Folgenden die ausführliche Jury-Begründung:

Angela Krauß auf der Buch Wien 2019

Foto © Hans Gasser

Es ist schon eine liebgewordene Tradition geworden, dass der/die Preisträger/in des Christine Lavant Preises auf der Buch Wien eine Präsentation hat. So war auch Angela Krauß am letzten Messetag, am Sonntag, den 10. November, auf der STANDARD-Bühne zu erleben. Nach einer ausführlichen Vorstellung der Schriftstellerin durch Karl Wagner, Mitglied des literarischen Beirats der ICGL und Jury-Mitglied des Preises, las Angela Krauß aus Ihrem letzten Buch „Der Strom“.

Dem Lärm und der Geschäftigkeit der Messe trotzend, schenkte uns die Autorin damit ungewöhnliche literarische Momente. Im Gespräch mit Karl Wagner eröffneten sich den BesucherInnen neue Aspekte des Werkes von Angela Krauß. In ihrer letzten Bemerkung führte sie zurück zu Christine Lavant und ihrer Bedeutung für  Leser und Leserinnen unserer Tage.

Wahrnehmung im Hier und Jetzt

Für die Wochenzeitung Die Furche sprach Brigitte Schwens-Harrant mit dem Germanisten und Mitglied des Literarischen Beirates der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft Karl Wagner. Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Ausstellung im Literaturhaus Wien zu und über Christine Lavant

Ich bin eine Verdammte die von Engeln weiß

Fast 5 Monate lang war Christine Lavant zu Gast im Literaturhaus – von der Eröffnung am 8. Mai bis zur Finissage am 24. September fand diese Schau viele Interessierte. Insgesamt zählte man etwa 2.500 Besucher und Besucherinnen, so viele wie bei kaum einer anderen Ausstellung.

Der andere und neue Zugang der Ausstellung zum Werk und zur Person Christine Lavant wurde besonders geschätzt: Bilder und Kompositionen inspiriert von Lavants Texten, großes Staunen über die in Wien noch nie gezeigten Zeichnungen der Christine Lavant, die eine andere Facette ihrer Persönlichkeit  offenbarten und schließlich die Bild- und Tondokumente, die sie im Gespräch erleben ließen.

(c) Karin Gasser

Die Begleitveranstaltungen Lavant lesen I, II und III  zog viele ZuhörerInnen an. Drei Mitglieder des literarischen Beirats der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft lasen und diskutierten mit ihren Gästen ausgewählte Texte – Lyrik wie Prosa –  und zeigten so manch neuen Aspekt und eröffnete neue Lesarten der Kärntner Schriftstellerin.

Daniela Strigl lud die Schriftstellerin, Übersetzerin und Naturwissenschaftlerin Andrea Grill ein  und sie widmeten sich dem lyrischen Werk. Klaus Amann bat Bodo Hell dazu und sie widmeten sich der Prosa aus dem Nachlass und die BesucherInnen erfuhren sehr viele biografische Details, wichtig zu einem besseren Verständnis ihres Werkes.  Karl Wagner schließlich suchte die Auseinandersetzung mit der Schweizer, in Berlin lebenden Schriftstellerin Stephanie Sourlier.

(c) Hans Gasser

Nicht nur einzelne BesucherInnen fanden sich ein, auch Gruppen um mehr über Christine Lavant und ihre Strahlkraft bis in unsere Tage zu erfahren.  So waren zum Beispiel MitarbeiterInnen der Österreich-Bibliotheken (in 2 Runden insgesamt 50 Personen) zu Gast – sie kamen nicht nur aus den Nachbarländern, sondern zum Beispiel auch aus Kirgistan, Armenien, Israel,  Belarus, Albanien und der Republik Moldau.  StudentInnen des Lehrgangs Kulturmanagement der Musikuniversität Wien entdeckten eine für sie bis dahin unbekannte literarische Welt. Freundesgruppen fragten um Führungen, darunter waren viele Kulturschaffende – bildende KünstlerInnen,  SchauspielerInnen, KuratorInnen – die ihr Wissen um Christine Lavant vertiefen wollten.

Die Rückmeldungen waren  überaus positiv und für viele war diese Schau ein Anstoß, wieder zu Lavants Texten zu greifen, alte und bereits bekannte neu zu lesen und bisher Ungelesenes neu zu entdecken.

(c) Paul Pibernig

Die Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus wird nach dieser für alle Beteiligten so positiven Erfahrung eine Fortsetzung 2020 finden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Zu danken ist einmal mehr all den KünstlerInnen, die ihre Werke zur Verfügung gestellt haben, den LeihgeberInnen und allen Förderern, die diese Ausstellung möglich gemacht haben.

Vernissage zur Ausstellung „Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß“

Über 100 Interessierte sind am 8. Mai 2019 ins Literaturhaus gekommen, um die Eröffnung der Ausstellung mitzuerleben. Nach einer Begrüßung durch den Direktor Robert Huez sprachen Hans Gasser, Präsident der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft, und die Kuratorin der Ausstellung Annemarie Türk. Den musikalischen Abschluss machte die Musikerin Ramona Kasheer mit vier Vertonungen von Lavant-Gedichten aus ihrer CD „Du von draussen, ich von drinnen“.  Nach dem offiziellen Teil blieben die BesucherInnen noch lange bei einem Glas Wein im Literaturhaus, die ausgestellten Bilder wurden aufmerksam betrachtet, man sah einige vertieft in die Hör- und Filmbeispiele, aber auch im Gespräch über Christine Lavant.

 

Auszug aus der Einführung der Kuratorin Annemarie Türk

Es ist keine wissenschaftliche Schau, die Leben und Werk der Kärntner Dichterin erschließt – hier wird versucht einen anderen Zugang zum literarischen Kosmos der Christine Lavant zu finden.

Es sind einige Artefakte von dokumentarischem Wert sehen, wie z.B. Lavants Schreibmaschine, eine Leihgabe des Musil-Instituts in Klagenfurt und Briefe aus den Archiven der Österreichischen Gesellschaft für Literatur und der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur im Literaturhaus. Zum ersten Mal in Wien gezeigt werden Zeichnungen von Christine Lavant: 6 Papierarbeiten, mit Ölkreide, manche mit Tusche, und immer sind es Landschaften.

In dieser Ausstellung begegnet man nicht nur Arbeiten bildender Künstler und Künstlerinnen, die von einer oft langjährigen Auseinandersetzung mit Lavants Texten zeugen, sondern auch Film- und Tondokumenten. Besonders hervor zu heben eine Schulfunkfernsehsendung aus dem Jahr 1968 – zum Gast bei Christine Lavant, geführt von Jeannie Ebner in der bescheidenen Wohnung in St. Stefan im Lavanttal. Das ist das einzige Filmdokument, das es von der Schriftstellerin gibt.

Ein Audioguide lässt Ausschnitte eines Interviews mit Christine Lavant hören, aber auch Vertonungen von Gerhard Lampersberg, Dieter Kaufmann, Elisabeth Naske und Ramona Kasheer.

 

Die Ausstellung läuft noch bis 25. September 2019 im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070.

Öffnungszeiten:

Mai – Juni: Mo bis Do 9 – 17 Uhr

Juli – September: Mo bis Mi 9 – 17 Uhr

Wenn sich eine interessierte Gruppe zusammen findet, ist auch eine exklusive Führung mit der Kuratorin möglich. Bei Interesse daran, bitte um direkte Kontaktaufnahme mit der Kuratorin Annemarie Türk per E-Mail.

 

Eine ganz herzliche Einladung sprechen wir an dieser Stelle für das Begleitprogramm zur Ausstellung mit dem Titel Lavant lesen aus.

Lavant Lesen III mit Stefanie Sourlier und Karl Wagner findet am 24. September 2019 um 19 Uhr ebenfalls im Literaturhaus Wien statt.

(c) Paul Pibernig

© Paul Pibernig

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(c) Gasser

© Hans Gasser

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© Paul Pibernig

Die lachende Lavant

Wir freuen uns sehr über den folgenden, sehr schönen Bericht in der Kleinen Zeitung:

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Christine Lavant – „Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß“

Die Ausstellung „Christine Lavant – Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß“ präsentiert ab 8. Mai teils selten gezeigte Lebenswerke der und über die Kärntner Dichterin im Literaturhaus Wien.

Die Vernissage findet am 8. Mai 2019 um 19 Uhr im Literaturhaus Wien statt.

Neben der Begrüßung durch Literaturhaus-Direktor Mag. Robert Huez und dem Präsidenten der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft Dr. Hans Gasser wird die Kuratorin der Ausstellung und Vorstandsmitglied der ICLG Annemarie Türk zur Ausstellung sprechen. Musikalisch untermalt wird die Vernissage von Ramona Kasheer, die einige ihrer Lavant-Vertonungen singen wird.

Die Ausstellung läuft von 9. Mai bis 25. September 2019 im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070.

Öffnungszeiten:
Mai – Juni: Mo bis Do 9 – 17 Uhr
Juli – September: Mo bis Mi 9 – 17 Uhr

Die Ausstellung „Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß“ präsentiert die Dichterin Christine Lavant (1915-1973) anhand von teils selten gezeigten Lebensdokumenten sowie Ton- und Bildaufnahmen – und spiegelt zugleich die enorme Strahlkraft, die ihr Werk auf bildende Künstler/innen, Komponist/inn/en und Musiker/innen ausübte und nach wie vor ausübt.
Neben Briefen, Fotografien und Dokumenten sind auch einige ihrer Zeichnungen zu sehen. Ihr einziges Fernsehinterview, das sie 1968 der Autorin Jeannie Ebner gegeben hatte, führt die Besucher/innen in die bescheidene Wohnung der Dichterin in St. Stefan im Lavanttal.

Das Werk der Christine Lavant, ihre Gedichte und Prosatexte, haben Freunde und Wegbegleiter schon zu Lebzeiten zu künstlerischen Auseinandersetzungen und neuen Werken inspiriert. Auch die nachfolgenden Generationen von Künstlerinnen und Künstlern sind von ihren Texten immer wieder berührt und angeregt, künstlerisch auf sie zu antworten.
„Prosa wie Lyrik von Christine Lavant machen etwas mit mir. Sie werfen mich durch Mauern von Beiläufigkeit hindurch auf Prüfstände. Eine Phrase, eine Anrufung …. die Dichterin benutzt dieselben Worte unserer Muttersprache Deutsch – und doch evoziert sie Anderes, öffnet und weitet auch meine Bewusstheit.“ Die bildende Künstlerin Eva Choung Fux hat Christine Lavant nie persönlich kennen gelernt, aber ihr Werk beschäftigt und begleitet sie bis heute. So wie so viele andere KünstlerInnen auch.

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Eva Choung Fux: Skizzen auf Papier zu Christine Lavant – Das Wechselbälgchen, 1998

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Eva Choung Fux: Skizzen auf Papier zu Christine Lavant –  Das Wechselbälgchen, 1998

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Eva Choung Fux: Skizzen auf Papier zu Christine Lavant – Das Wechselbälgchen, 1998

Ein Audioguide lässt uns die Stimme Christine Lavants beim Lesen ihrer Gedichte hören, dazu Ausschnitte aus Vertonungen von Gerhard Lampersberg (drei Duette Herr, o Herr), Dieter Kaufmann (Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus), Elisabeth Naske (fünf Chorwerke) und der Liedermacherin Ramona Kasheer.

Die bildenden Künstler Reimo Wukonig und Eduard Lesjak haben sich in sehr unterschiedlicher Art und Weise dem Werk Christine Lavants genähert. Eva Choung Fux schuf Skizzen zur Erzählung Das Wechselbälgchen und Tommy Schneider eine Hommage an die Dichterin in Stein. Bella Ban formte 2018 einen beeindruckenden Bronzekopf der Dichterin, dem eines der sieben farbigen Portraits (Öl auf Leinwand) von Werner Berg gegenübersteht. Der Fotograf Ernst Peter Prokop zeigt in einem 13-teiligen Fotozyklus ein anderes Gesicht der Dichterin: nicht jenes von ärmlichen Verhältnissen und von Krankheit gezeichnete, sondern das einer dem Leben zugewandten selbstbewussten Frau.

Diese Auswahl ist selektiv und im Bewusstsein, dass sich auch andere KünstlerInnen und MusikerInnen mit dem Werk Christine Lavants auseinandergesetzt haben.

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Bella Ban: Eine Annäherung an Christine Lavant. Kopf der Dichterin. (Bronze vergoldet in Vitrine). 2018,  Fotos © Karin Gasser

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Eduard Lesjak: Lavant Vakant. Nähbilder auf schwarzem Samt. 2018.

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Renald Deppe: Tabulatura di Penitenza „Mein Herz geht durch die Feuersbrunst (wie schwer wiegt das verkohlte…)“ (Tuschen, Nussbaum- & Eisengallustinte auf Packpapier) Für Christine Lavant, 2014.

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Tommy Schneider: Hommage an Christine Lavant. Skulptur (Granit, Beton u. Acrylharz), 2018.

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Christine Lavant: Zeichnungen. Fotos © Karin Gasser

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Christine Lavant: Zeichnungen. Fotos © Karin Gasser

Begleitprogramm zur Ausstellung:
Lavant lesen I
Montag, 27. Mai 2019, 19:00 Uhr – Andrea Grill und Daniela Strigl

Lavant lesen II
Dienstag, 4. Juni 2019, 19:00 Uhr – Bodo Hell und Klaus Amann

Lavant lesen III
Dienstag, 24. September 2019, 19:00 Uhr – Stefanie Sourlier und Karl Wagner

Alle Veranstaltungen finden im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070 Wien statt.

Der große Lavant-Abend beim Literaturfest Lesen.Hören in Mannheim

Der große Lavant-Abend am Literaturfest Lesen.Hören in Mannheim
Am 4. März gab es in der Mannheimer Alten Feuerwache einen ganz besonderen Abend unter dem Titel „Der große Lavant-Abend. Erika Pluhar liest. Monika Rinck erzählt.“  Die großartige Erika Pluhar las Texte von Christine Lavant und schaffte es damit einmal mehr, auch dem deutschen Publikum die große Kärntner Dichterin näher zu bringen.
Insa Wilke, Leiterin des Literaturfests und Literaturkritikerin der Süddeutschen Zeitung, schreibt über Christine Lavant: „Christine Lavant […] sollte neben der Droste, der Günderrode und Dichtern wie Georg Heym oder Erzählern wie Robert Walser längst in den Literatur-Kanon aufgenommen sein. Ist sie aber nicht. Dabei stammen von ihr einige der prächtigsten, energetischsten Gedichte und Prosatexte, die die deutschsprachige Literatur zu bieten hat.“

Zu dem Abend gibt es gleich zwei Rezensionen, die wir Ihnen keinesfalls vorenthalten möchten.

Hohe Literatur aus tiefem Tal – Mannheimer Morgen
Englein zimmern Saerglein – Rheinpfalz

 

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Fotos: © Hans Gasser

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