Matinee und Preisverleihung Christine Lavant Preis 2017

Am Sonntag, den 12. November 2017 ist es soweit: Die Internationale Christine Lavant Gesellschaft vergibt im Rahmen einer Matinee im ORF Radio Kulturhaus den 2. Christine Lavant Preis. Wie schon im letzten Jahr wird die Matinee darüber hinaus auch heuer wieder ein literarisch-musikalischer Genuss. Die renommierte Schauspielerin Gerti Drassl liest Gedichte aus dem Nachlass von Christine Lavant, musikalisch begleitet wird sie dabei von dem international angesehenen Duo Wolfgang Puschnig (Saxophon) und Jon Sass (Tuba). Durch den Vormittag führt ORF-Moderatorin Katja Gasser. Die Laudatio hält der Vorsitzende des Literarischen Beirats der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft Klaus Amann.

Matinee und Preisverleihung des Christine Lavant Preises 2017
ORF Radio Kulturhaus, Großer Sendesaal
Sonntag, 12. November 2017, 11 Uhr
Eintritt: € 17,00
Ermäßigungen: 10 % für Ö1-Club-Mitglieder und 50 % für RadioKulturhaus-Vorteilskarten-BesitzerInnen
Tickets sind erhältlich über das ORF Radiokulturhaus.
http://radiokulturhaus.orf.at/artikel/466280

Alle Mitglieder der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft erhalten eine persönliche Einladung zur Matinee und Verleihung. Die Karten werden nach Zusage unter office@christine-lavant.com versandt oder im Foyer des RadioKulturhaus hinterlegt.

Die Veranstaltung wird über die ORF-Kultur Facebook-Seite live übertragen.
Im Anschluss an die Preisverleihung laden wir die/den PreisträgerIn, die KünstlerInnen und das Publikum zu einem Empfang im Foyer.

 

Zu den KünstlerInnen:

Gerti Drassl, geboren in Bozen, übersiedelte nach der Matura nach Wien. Sie absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar und wurde von Karl Heinz Hackl ans Theater in der Josefstadt engagiert – jenem Haus, dem sie bis heute die Treue hält. Nebenher und zwischendurch leistet sie sich Ausflüge an andere Bühnen und arbeitet für den Film. Gerti Drassl dreht mit Andreas Prochaska, Michael Kreihsl, Sabine Derflinger, Harald Sicheritz und Elisabeth Scharang, sie spielt in Stücken von Tschechow, Ibsen, Shakespeare, Turrini, Tennessee Williams und Ödön von Horvath. Im September 2017 wurde Gerti Drassl in Berlin mit dem Deutschen Schauspielerpreis ausgezeichnet.

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Gerti Drassl (c) Yasmina Haddad

 

Wolfgang Puschnig, geboren und aufgewachsen in Klagenfurt, zog es ebenfalls nach der Matura nach Wien. Probleme mit dem Ansatz vereitelten das klassische Flötenstudium an der Musikhochschule, stattdessen spielte Puschnig immer mehr Saxofon. Was damals seinen Anfang nahm, ist bis heute ausgesprochen erfolgreich.
Insgesamt wirkte Puschnig bei mehr als 100 Plattenaufnahmen mit, als Bandleader bzw. Co-Leader veröffentlichte er mehr als 30 Alben. Seit 1988 unterrichtet er zudem an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, 1998 erhielt er den Hans-Koller-Preis. Die Universität Klagenfurt verlieh ihm 2004 den Ehrendoktortitel.

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Foto: Wolfgang Puschnig (c) derMaurer

 

Jon Sass, ein wahrer Groove Master, ist wohl einer der kreativsten Tubisten unserer Zeit. Der vielseitige Künstler ist auch bekannt als „Tausendsassa der Tuba“. Sein  unverkennbarer, souliger Sound ist nur einer der Gründe für seine einzigartige Solokarriere. Als einer von wenigen Tubisten weltweit kreiert er eigene Musik- und Performance-Konzepte, wie zum Beispiel die Multimediaprogramme „Sassified-Live“ und „Sassy the Tuba“.
Jon Sass ist nicht nur auf über 80 Aufnahmen zu hören, er spielt und tourt auch mit der musikalischen Creme de la Creme, unter anderem zB Ivan Neville, Vince Mendoza, Peter Wolf, Ricky Ford, Bobby Shew, Steven Mead und im Duo mit Dave Taylor, Arkady Shilkloper, Wolfgang Puschnig oder Milagros Pinera.

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Foto: Jon Sass (c) Vera Schueller

 

Christine Lavant auf der Buch Wien

Wie auch schon im vergangenen Jahr wird die Internationale Christine Lavant Gesellschaft auch heuer wieder auf der Wiener Buchmesse „Buch Wien“ vertreten sein. Am Donnerstag, den 9. November 2017 präsentiert Univ.-Prof. Dr. Klaus Amann dort im Gespräch mit Moderatorin Judith Hoffmann den heuer erschienenen dritten Band der Werkausgabe „Christine Lavant – Gedichte aus dem Nachlass“, der bereits in unserem zweiten Newsletter vorgestellt wurde.
Der dritte Band der vierbändigen Werkausgabe enthält eine Auswahl aus den nachgelassenen Gedichten aus allen Schaffensperioden, darunter auch das lange Zeit verschollene, erst kürzlich wieder entdeckte Erstlingswerk »Die Nacht an den Tag«, das 1948 zwar gesetzt, aber nie gedruckt wurde. Drei Viertel der hier versammelten Gedichte sind Erstveröffentlichungen, die übrigen wurden zuvor in diversen Nachlasspublikationen publiziert.
Klaus Amann, Vorsitzender des Literarischen Beirats der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft, ist Mitherausgeber der vierbändigen Werkausgabe. Er hält diesen dritten Band für eine literarische Sensation, da sich damit Lavants lyrisches publiziertes Werk mit einem Schlag nahezu verdoppelt und sich Lavants Lyrik von gänzlich neuen Seiten präsentiert.

 

Klaus Amann über „Christine Lavant – Gedichte aus dem Nachlass“ im Rahmen der Buch Wien
Datum:  09.11.2017
Uhrzeit:  17:30 Uhr
Ort:  ORF-Bühne, Halle D, Messe Wien

Christine Lavant musikalisch

Dass Christine Lavants Texte wunderbar mit Musik in Dialog treten können, hat sich offenbar schon herumgesprochen. Nicht nur bei der Matinee zur Preisverleihung des Christine Lavant Preises wird Ihnen eine solche Verschmelzung präsentiert, sondern auch bei zwei weiteren Veranstaltungen in diesem Herbst.

Im Wiener Konzerthaus liest Sophie Rois am 14. Oktober 2017 Christine Lavants „Das Welchselbälgchen“. Musikalisch begleitet wird sie bei diesem literarischen Hörerlebnis von Peter Rosmanith, Matthias Loibner und Franz Hautzinger.

https://konzerthaus.at/konzert/eventid/54582

Am 22. Oktober
2017 zeigt das MuTh eine einzigartige Begegnung aus Lyrik und Musik. Unter dem Titel „Die Feuerprobe“ liest Schauspielerin Isabel Karajan, Tochter des großen Dirigenten, Gedichte von Christine Lavant. Den musikalischen Rahmen dafür bietet die Cellosonate op. 40 von Dimitri Schostakowitsch, zum Besten gegeben von Franz Bartolomey, dem ersten Solocellisten der Wiener Philharmoniker und der Pianistin Saskia Giorgini, der aus Italien stammenden Gewinnerin des Internationalen Mozart Wettbewerbs 2016.

https://muth.at/events/die-feuerprobe-20171022/

 

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Fotos: MuTh (c) Elia Roman

Die Engel der Christine Lavant

Die Vorarlberger Musikerin und Sängerin Ramona Kasheer beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit den Gedichten von Christine Lavant. Begonnen hat diese intensive Auseinandersetzung mit jener von Thomas Bernhard getroffenen Auswahl, die in der Bibliothek Suhrkamp 1989 erschien. Es war ihr Philosophieprofessor, der ihr in einer Zeit existenzieller Nöte riet, sich auf die Suche nach den Engeln der Christine Lavant zu begeben. Sie reiste nach St. Stefan ins Lavanttal, um der Dichterin noch näher zu kommen, und kehrte zwischen anderen musikalischen Projekten immer wieder zu ihren Gedichten zurück. Daraus ist nun ein Konzertprogramm entstanden, das Ramona Kasheer am 28. September 2017 zum 2. Mal öffentlich präsentierte.

Dieser Abend in der Sargfabrik in Wien bot keine Aneinanderreihung einzelner vertonter Gedichte, sondern war vielmehr eine musikalische Zwiesprache mit der Kärntner Dichterin. Begleitet wurde Ramona Kasheer  dabei vom vielfach ausgezeichneten Koehne-Quartett. Der Komponist Rolf Aberer hat einige der Liedfassungen orchestriert und damit den Gedichten der Christine Lavant einen ganz besonderen musikalischen Rahmen gegeben.  Dazwischen war auch die Originalstimme Lavants zu hören und zog das Publikum augenblicklich in seinen Bann.

Damit reiht sich Ramona Kasheer in eine immer größer werdende Gruppe von Musikern und Musikerinnen ein, die von den Texten der Christine Lavant zu neuen musikalisch-literarischen Begegnungen und Projekten angeregt werden.

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Foto: Sargfabrik (c) Robin Gillard

Christine Lavant als Rebellin

In der Süddeutschen Zeitung vom 18.8.2017 rezensiert Insa Wilke die „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“ und den heuer erschienenen Band „Gedichte aus dem Nachlass“. Christine Lavant hat für sie „einige der energetischsten Gedichte und Prosa-Texte der modernen deutschsprachigen Literatur geschrieben“. Darum sollte die Lavant schon längst in den Kanon der deutschsprachigen Literatur aufgenommen sein. Dieser Meinung ist auch die Internationale Christine Lavant Gesellschaft. Darum möchten wir Ihnen diese Rezension keinesfalls vorenthalten.

Mitgliederversammlung der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft

Am 9. Juni 2017 fand die erste ordentliche Mitgliederversammlung der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft statt. Wir verbrachten den Abend im wunderschönen Ambiente des Prälatensaals beim Pfarrwirt im 19. Wiener Bezirk. Den Anfang machte der Präsident der Gesellschaft, Hans Gasser, mit einem Bericht der vergangenen Veranstaltungen und laufenden Aktivitäten der Lavant-Gesellschaft.

Es folgte ein Bericht aus dem Literarischen Beirat. Der Vorsitzende des Beirats, Klaus Amann, erzählte von der Arbeit an der Werkausgabe und sprach vor allem über den zuletzt erschienenen dritten Band „Gedichte aus dem Nachlass“.

Nach diesem ersten offiziellen Teil wurde auch noch die musische Seele der etwa 30 teilnehmenden Mitglieder und Gäste angesprochen. Kathrin Schmidt, die erste Lavant-Preisträgerin gab Ausschnitte aus ihrem aktuellen Roman „Kapoks Schwestern“ zum Besten. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung durch mehrere Stücke am Cello. Franz Bartholomey, erster Solo-Cellist der Wiener Philharmoniker, überzeugte mit einem äußerst abwechslungsreichen Programm, unter anderem stimmte er die Zuhörenden mit einem Wiener Lied auch gut auf die Heurigen-Atmosphäre ein. Bei anregenden Gesprächen und interessantem Austausch sowie herrlichem Wein ließen wir den gelungenen Frühsommerabend ausklingen.

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(Fotocredit: (c) Karin Gasser)

Christine Lavant international

Am 11. Juli 2017 trafen sich auf Einladung der ICLG rund 60 Auslandslektor/innen sowie deren akademische Ausbildner unter der Leitung von Dr. Arnulf Knafl in entspannter Atmosphäre zu ihrer Jahresabschlussversammlung beim Mayer am Pfarrplatz.

Dank großzügiger Unterstützung seitens unseres Protektors Hans Schmid bot sich den jungen Akademiker/innen die Gelegenheit, sich bei Wein und köstlichen Schmankerln den Ausführungen von ICLG Vorstandsmitglied Mag. Leo Stollwitzer über die Aktivitäten der Gesellschaft informieren zu lassen. Stollwitzers Plädoyer an die versammelten Lektoren/innen, den Namen und das Werk Christine Lavants im Rahmen ihrer Lektorentätigkeit auch im kommenden Semester verstärkt in die Welt hinauszutragen, wurde überaus interessiert aufgenommen. So kann erwartet werden, dass auch im kommenden Studienjahr Deutsch-Studierende von Peking bis Mexiko, von Tokyo bis Kiev dem Werk Christine Lavants begegnen werden.

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Fotocredit: (c) Leo Stollwitzer

Buch des Monats Juni 2017

Der im letzten Newsletter vorgestellte dritte Band der Gesamtausgabe Christine Lavants „Gedichte aus dem Nachlass“ erfuhr nicht nur allgemein viel mediales Echo. Die Darmstädter Jury kürte den Band nun auch zum Buch des Monats Juni 2017. Die Begründung spricht von Christine Lavant als einer resoluten, trotzigen und außergewöhnlichen Dichterin, die es jedenfalls verdient, wieder entdeckt zu werden.

Lavant im Deutschlandfunk

In der Reihe „Lyrik lesen – Gedichte im Gespräch“ tauschen sich LiteraturkritikerInnen über Neuerscheinungen aus. Die aktuelle Runde der Kooperation zwischen dem Sender <b>Deutschlandfunk</b> Kultur und dem <b>Literaturforum Marbach</b> thematisiert unter anderem auch den aktuellen Band der Werkausgabe Christine Lavants. Die freie Kritikerin Insa Wilke meint über Christine Lavant: „Ihr Eigensinn und ihre Singularität stellt sie in eine Reihe mit Sappho, Günderode, Droste und Lasker-Schüler.“ Nachzuhören ist dieser sehr gelungene Beitrag hier:

„Das Göttliche und das Irdische kommen ins Rutschen“

Professor Klaus Amann, Vorsitzender des Literarischen Beirats der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft und Mitherausgeber der Werkausgabe über den jüngst erschienen Band „Christine Lavant – Gedichte aus dem Nachlass“:

„Man kann es nicht anders sagen, Christine Lavants Gedichte aus dem Nachlass, der vor kurzem erschienene dritte Band der vierbändigen Werkausgabe ist eine literarische Sensation: Fünfhundert Gedichte aus dem Nachlass einer der größten Lyrikerinnen deutscher Sprache im 20. Jahrhundert. Wann hat es das zuletzt gegeben? Mit diesem Band wird Lavants publiziertes lyrisches Werk mit einem Schlage nahezu verdoppelt.

Dies bedeutet auch, dass völlig neue Seiten an der Dichterin zu entdecken sind. So ist es den Herausgeberinnen gelungen, in einer Wiener Privatsammlung die einzige erhaltene Druckvorlage für Lavants ersten Gedichtband  (Die Nacht an den Tag, 1948) aufzufinden, der zwar gesetzt, aber nie gedruckt wurde. Ihr lyrischer ‚Erstling‘, der in diesem Nachlassband komplett abgedruckt ist,  zeigt sehr schön und eindrucksvoll den Einfluss Rilkes, aber genauso auch ihre bewusste Ablösung von diesem Abgott und übermächtigen Vorbild und die Entwicklung ihrer eigenen, so charakteristischen „Bilderschrift“ (eingeschlossen einige bisher kaum bekannte ‚Umwege‘ über Erzählgedichte mit politischen und familiären Inhalten).

Eine ganz neue Seite an der Dichterin ist auch in ihren Widmungsgedichten an Werner Berg zu entdecken, den großen Kärntner Maler, der in der ersten Hälfte der 1950er Jahre ihr Gesprächspartner, Vertrauter, Ratgeber, Schicksalsgenosse und kurze Zeit auch ihr Geliebter war. Es war für beide eine jeder Hinsicht schwierige und schicksalhafte Begegnung. Die literarischen ‚Folgen‘ dieser Beziehung für das Werk von Christine Lavant sind gewaltig, aber auch abgründig. Das zeigen nicht zuletzt die Gedichte dieses Nachlassbandes. Man wird in der deutschsprachigen Lyrik der Nachkriegszeit schwer etwas finden, was Lavants Liebesgedichten für  Werner Berg in ihrer bestechenden Mischung aus  Sinnlichkeit und Sensitivität, Glückshoffung und Unglücksgewissheit, Bilderfindung und gedanklicher Raffinesse ebenbürtig ist.

So ermöglicht  der Band mit Lavants  nachgelassenen Gedichten nicht nur einen ganz neuen Blick auf ihre Entwicklung als Dichterin, sondern er erschließt auch eine  ganz unerwartete Vielfalt an Themen und Formen, die das zu ihren Lebzeiten erschienene lyrische Werk, das im Ganzen enger, geschlossener und hermetischer ist, auf überraschende Weise aufbrechen und kommentieren. Die Gedichte des Nachlass-Bandes  legen für viele der zu Lebzeiten publizierten  Gedichte, die bestrebt sind, das Private und das Persönliche zu verschlüsseln und zu camouflieren, überraschend neue Lesarten nahe. Man könnte auch sagen: das Göttliche und das Irdische kommen ins Rutschen und werden neu aufgestellt. So gewährt die Lektüre des Bandes doppelten Gewinn und doppelte Lust.

Klaus Amann

(Literarischer Beirat der ICLG)

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