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Christine Lavant auf der Buch Wien 2018

Gleich zwei Lesungen bzw. Gespräche drehten sich in diesem Jahr auf der Wiener Buchmesse auch um Christine Lavant.  Am Sonntag vormittag präsentierte Klaus Amann, Mitherausgeber der vierbändigen Werkausgabe und Vorsitzender des Literarischen Beirates der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft,  den vierten und letzten Band der Werkausgabe „Christine Lavant –  Erzählungen aus dem Nachlass“ auf der DER STANDARD-Bühne. Zwischen dem Moderator und – ebenfalls Lavant-Kenner – Cornelius Hell und Klaus Amann entstand ein interessanter und hörenswerter Austausch über die Prosa-Texte Christine Lavants. Klaus Amann selbst las auch Auschnitte aus dem aktuellsten Lavant-Band vor.

Direkt im Anschluss daran fand auf der selben Bühne eine Lesung des diesjährigen Christine-Lavant-Preisträgers Klaus Merz statt. Klaus Merz‘ literarisches Werk weist vielerlei Bezüge zu demjenigen Christine Lavants auf. Thomas Strässle benannte diese Bezüge in der Jurybegründung so: „Klaus Merz schreibt vor allem Lyrik und Prosa, seine Texte handeln von Außenseitern und Randständigen, aber auch von Abenteurern und rastlos Liebenden, und er wendet sich meist dem Lokalen zu, um es zum Kosmos zu weiten.“ Nach eigener Erzählung des Autors Klaus Merz war ihm Christine Lavant schon vor Jahrzehnten eine wichtige Autorin, die allerdings über die Jahre in Vergessenheit gerat. Durch die Verleihung des Christine Lavant Preises begann für ihn ein „Wiederlesen und Neuentdecken“, das ihn schließlich auch dazu anregte, seine eigenen Texte nach Lavant-Bezügen abzuklopfen.

So las Klaus Merz auf der Buch Wien aus seinen eigenen (vor allem Prosa-)Texten, deutliche Bezüge zu Lavants Werk wurden aber spürbar. Und abschließend konnte der Lavant-Preisträger erfreulicherweise auch noch davon überzeugt werden, dem Publikum auch ein paar seiner eigenen Gedichte vorzulesen.

Die gut besuchte „Lavant-Stunde“ zeigt das rege Interesse an der Kärntner Dichterin auf und die Begeisterung dafür, dass mit der Werkausgabe nun eine ausführliche Zusammenschau ihrer Werke und jede Menge Lesestoff für Lavant-Fans vorliegt.

 

 © Hans Gasser

Klaus Amann und Cornelius Hell – © Hans Gasser

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Klaus Amann – © Hanna Biller

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Stefan Gmünder und Klaus Merz – © Hans Gasser

 © Hanna Biller

Klaus Merz – © Hanna Biller

Christine Lavant auf Polnisch

Die polnische literarische Zeitschrift „Literatura na Świecie“ bringt den polnischen LeserInnen Weltliteratur in Übersetzungen näher. In der aktuellen Ausgabe findet sich erfreulicherweise auch ein Prosa-Text von Christine Lavant, und zwar die Erzählung „Der Knabe“. Die Übersetzung stammt von der renommierten Übersetzerin Małgorzata Lukasiewicz, die in der Vergangenheit auch schon Lavants „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“ ins Polnische übersetzt hat.

Einen Auszug aus dem polnischen Text finden Sie hier.

Christine Lavant vertont

Die Vorarlberger Musikerin und Sängerin Ramona Kasheer beschäftigt sich schon lange und intensiv mit den Texten Christine Lavants. Nun hat sie ihre erste CD mit Vertonungen von 9 Gedichten vorgelegt – „Du von draussen, ich von drinnen“ ist bei coalbox records erschienen.  Bei der musikalischen Umsetzung wurde sie von ausgezeichneten MusikerInnen wie zum Beispiel Edgar Unterkirchner oder dem Koehne-Quarttett (Joanna Lewis, Emily Stewart, Anne Karvey-Nagl, Melissa Coleman) begleitet.

Diese CD ist zu bestellen bei coalbox@ramonakasheer.com und kostet 18,– plus 3,– für den Versand. Kaufen kann man sie in der „Buchinsel“ in der Margaretenstraße 76 im fünften Wiener Gemeindebezirk.

 

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Die Magd der Literatur

„Diese Erzählungen aus dem Nachlass sind keineswegs nur eine Pflichtlektüre für Lavant-Kenner oder literaturgeschichtlich Interessierte. Hier öffnet sich ein brodelnder Prosastrom, der irritiert, den Atem stocken lässt und immer wieder die Augen für geschundene Menschen […] öffnet.“
Diese lobenden Worte findet Cornelius Hell in der Literaturbeilage der Presse „Spektrum“ für den aktuellen und letzten Band der vierbändigen Werkausgabe Christine Lavants. Viel Vergnügen mit der Lektüre dieser wunderbaren Empfehlung!

 

Den Artikel finden Sie hier.

Interview mit Eva Choung-Fux

 

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1998, Lavant Skizze – © Eva Choung-Fux

Immer wieder inspirieren die Texte Christine Lavants auch andere Künstler und Künstlerinnen für ihre eigene Arbeit. Annemarie Türk, Vorstandsmitglied der ICLG, führte ein Interview mit der Wiener Künstlerin Eva Choung-Fux, die eine Reihe ihrer Werke der großen Kärntner Dichterin gewidmet hat.

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Eva Choung-Fux – © Eva Choung-Fux 

Annemarie Türk: Wann begannen Sie sich mit Christine Lavant und ihren Texten zu beschäftigen?

Eva Choung-Fux: In den achtziger Jahren war es ihr CV und die Gedichte aus „Spindel im Mond“, „Die Bettlerschale“ die mich bannten. 1998 befasste ich mich intensiv mit dem Prosawerk „Das Wechselbälgchen“. Christine Lavant ist in die tiefsten Untiefen ihrer assoziativen Ansammlung von Eigenerfahrung, überpersönlichem Erahnen, Verstehen, Begreifen abgetaucht. Und aus den Tiefen trägt sie dem Ursächlichsten am Menschsein – der Liebesfähigkeit – auch im verlogenen, feindlich-feigen und abgestumpften Geflecht von menschlichen Unfähigkeiten – den Funken einer Chance.

1998, in einem Kärntner Kurheim, entstanden die ersten kleinformatigen Skizzen zum „Wechselbälgchen“. 1999 der 7-teilige Zyklus „Christine Lavant – Prosa“, im Jahr 2000 das Diptychon „Christine Lavant – Lyrik“.

Türk: Haben Sie Christine Lavant jemals persönlich kennen gelernt?

Choung-Fux: Nein.

Türk: Beziehen sich Ihre Bilder auf einzelne Gedichte, Textzeilen oder reflektieren sie Texte in ihrer Gesamtheit?

Choung-Fux: Prosa wie Lyrik von Christine Lavant machen etwas mit mir. Sie werfen mich durch Mauern von Beiläufigkeit hindurch auf Prüfstände. Eine Phrase, eine Anrufung, eine Werke-Gesamtheit, die Dichterin benutzt dieselben Worte unserer Muttersprache Deutsch wie wir – und doch evoziert sie Anderes, öffnet und weitet auch meine Bewusstheit.

Türk: Ihre abstrakte Malerei hat einen sehr poetischen Gestus und schreibt die Lavantsche Poesie ins Visuelle weiter …

Choung-Fux: Meine, der Dichterin gewidmeten Arbeiten haben mit Demut zu tun. Ich nehme ihre Texte sehr langsam und stumm lesend auf. Später lese ich dieselben laut und nehme meine Stimme auf Tonband auf. Hörend schreibe ich. Die Übertragung des Gehörten in Aufschreibung entzieht sich in der Folge dem Lesen. Durch vielfaches Übereinanderschreiben des Textes vernetzen sich alle Worte und dergestalt reiche ich sie „in abstractum“ der Dichterin wieder.

Türk: Sie beschäftigen sich in ihrer Arbeit oft mit Literatur und verschiedenen SchriftstellerInnen – welche Impulse empfangen Sie von Ihnen und ihren Texten? Und was macht dabei die Besonderheit von Lavants Texten aus?

Choung-Fux: Mich fasziniert Kommunikation über alle Maßen. Die Notationen von Musik, Literatur im Besonderen. Über die Hochachtung die ich ihrem Werk entgegenbringe hinaus, bindet mich Verehrung und persönliche Anteilnahme an den Lebenslauf von Christine Lavant. Es ist als ob von ihrer großen Kraft in aller Schwäche etwas zu mir strahlte und sich in meiner Arbeit wiederfände.

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1998, Lavant Skizze – © Eva Choung-Fux

Eva Choung-Fux, in Wien geboren, studierte an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Mit ihrem Mann Young Jin Choung lebte sie zwischenzeitlich in Japan und Südkorea. Professorin für Druckgrafik und Fotografie an der Universität für angewandte Kunst Wien, Gastprofessorin an Universitäten in Asien, Europa und den USA. 2000 verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Mallorca.

Eva Choung-Fux arbeitet mit den Medien Malerei, Druckgrafik und in ihren Skulpturen in bedächtigen Arbeitsschritten und mit abstrakten Notationen. In der Fotografie hält sie die Wirklichkeit in Bruchteilen von Sekunden als Metapher ihrer selbst fest. Ihr Werk und ihre Person sind ständig verbunden mit zeitgenössischen Komponisten und Dichtern unterschiedlichster Nationalitäten und Kulturen, immer wieder sucht sie aber auch den Bezug zu Personen und Geschichten der Vergangenheit. Dabei ist ihre Kunst Ausdruck von Protest und Agonie, aber auch von Sehnsucht und Hoffnung unserer Zeit.

 

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2000, Lavant Lyrics – © Eva Choung-Fux

 

Christine Lavants feiner Geist

 

Erfreuliches gibt es aus der Welt des Radios zu berichten. In der Sendung „Gutenbergs Welt“ (WDR 1) mit dem Titel „Feine Geister“ spricht Insa Wilke mit Michael Braun über den heuer erschienenen vierten und letzten Band der Werkausgabe „Christine Lavant – Erzählungen aus dem Nachlass“. Michael Braun sieht in den Veröffentlichungen dieser bisher unbekannten Texte eine kleine Sensation. Was in dem Kritikergespräch sonst noch über Christine Lavant und ihre Erzählungen berichtet wird, hören Sie am besten selbst nach.
(Ab Minute 24:18 bis 37:02)

Beitrag WDR 1

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Kooperation mit der Buchhandlung Eckart

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Buchhandlung Eckart – © Eckart

Wer liest, genießt! Nach diesem Motto pflegen Walter Lux und sein Team das Sortiment und die charmante Atmosphäre der Buchhandlung Eckart in der Josefstädter Straße 34 im 8. Wiener Gemeindebezirk. Wir freuen uns sehr darüber, in der Buchhandlung Eckart einen Kooperations-Partner gefunden zu haben, der in Zukunft unsere Büchertische bei Veranstaltungen organisieren wird – erstmals übrigens bei der großen Lavant-Matinee am 7. Oktober 2018.

 

Website Buchhandlung Eckart

 

Christine Lavant im Deutschlandfunk Kultur

© Wallstein Verlag

© Wallstein Verlag

Auch der Radiosender Deutschlandfunk Kultur nahm das Erscheinen des vierten Bandes zum Anlass um einen wunderbaren Beitrag über die Kärntner Dichterin zu gestalten. Den Artikel und den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Artikel lesen

Beitrag zum Nachhören

Sie sah sich sogar als lasterhaftes Hühnchen

Das Erscheinen des vierten und letzten Bandes der Werkausgabe nahm die Kleine Zeitung zum Anlass für das folgende doppelseitige, sehr aufschlussreiche Interview mit Klaus Amann, Gründer und langjährigem Leiter des Musil-Institutes und Mitherausgeber der Werkausgabe Christine Lavants.

Das Interview mit Klaus Amann

Mein ganz merkbares Glück

Plakat

© Hans Gasser

Unterdem Titel „Mein ganz merkbares Glück“ wurde der vierte und letzte Band der Werkausgabe „Christine Lavant – Erzählungen aus dem Nachlass“ im Mai im Stadttheater Klagenfurt präsentiert. Der fulminante Abend wurde musikalisch begleitet von Otto Lechner, die Lesung der bisher unveröffentlichten Texte Christine Lavants übernahm auf berührende und treffende Weise Anne Bennent. Das Bühnenbild für diesen Abend stammte von der Kärntner Künstlerin Bella Ban und beinhaltete die unten abgebildete Skulptur „Eine Annäherung an Christine Lavant. Kopf der Dichterin.“ (Bronze vergoldet in Vitrine).

 

© Bella Ban

Bühne

© Hans Gasser

Theater

© Hans Gasser

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