Seite 2 von 2

Zu Lebzeiten veröffentlichte Erzählungen

Christine Lavants Gedichte zählen schon lange zum festen Kanon der Nachkriegsliteratur. Als Erzählerin ist sie eine Entdeckung der letzten Jahre.

 

9783835313927l

Mit großem Einfühlungsvermögen und ungeschöntem Realismus, sehr direkt und unverwechselbar poetisch rückt Christine Lavants Prosa an die Schicksale und inneren Welten ihrer Figuren heran. Mit »formal traumwandlerischer Sicherheit« (Franz Haas in der NZZ) erzählt Lavant von dem, was sie am besten kennt: von verletzten Kinder- und Frauenseelen, von den feinen und weniger feinen gesellschaftlichen Unterschieden, von Armut, Krankheit und Ausgrenzung, von erzwungener Anpassung, Bigotterie und Gewalt, aber auch von der befreienden Kraft der Liebe und der Fantasie.
Der zweite Band der vierbändigen Werkausgabe bietet alle zwölf zu Lebzeiten Lavants erschienenen Erzählungen in neu edierter Gestalt, da viele der Erstdrucke von fremder Hand bearbeitet waren. Neben ihren beiden ersten Buchveröffentlichungen »Das Kind« (1948) und »Das Krüglein« (1949) enthält der Band »Die Rosenkugel« (1956), die beiden Sammlungen »Baruscha« (1952) und »Nell« (1969) sowie die verstreut publizierten Erzählungen.

Zu Lebzeiten veröffentlichte Erzählungen
ISBN 978-3-8353-1392-7 (2015)
800 S., geb., Schutzumschlag
€ 38,80 (D) | € 39,90 (A)

Das Kind

Zum 100. Geburtstag der großen Kärntner Autorin am 4. Juli 2015

daskind-180x300

Diese 1945/46 entstandene Erzählung ist das Debüt der Autorin Christine Lavant, sie erzählt darin vom Leben eines Kindes in einer Heilanstalt; ganz bleibt sie in der Denkwelt des Mädchens, das die so geheimnisvollen wie existenziellen Vorgänge um sich herum noch kaum versteht. Viele der späteren Themen werden schon hier eindrucksvoll angeschlagen: Krankheit, körperliche Beeinträchtigung – der diskriminierende Umgang der Gesellschaft damit und dagegen die Würde der Betroffenen, in rückständigen, von Religion und Aberglauben geprägten Verhältnissen die eigene Existenz zu behaupten. Seit früher Kindheit war Christine Lavant selbst von verschiedenen schweren Krankheiten gezeichnet; sie konnte sich auf besondere Weise in das Schicksal ihrer Figuren einfühlen: Es war ihr eigenes oder beruhte zumindest auf realen Erfahrungen während ihrer zahlreichen Krankenhausaufenthalte. Nicht Mitleid ist, was aus den Texten spricht, sondern genaues Wahrnehmen und Ernstnehmen aus wirklicher Nähe. Daraus entsteht die ungeheuerliche Kraft der Lavantschen Literatur.
Erstmals erschien die Erzählung 1948. Seit Jahren ist sie vergriffen. Dieser Neuausgabe liegt die Originalhandschrift der Autorin zugrunde, neu durchgesehen und nur bei offensichtlichen Verschreibern und Fehlern korrigiert.

Das Kind
ISBN 978-3-8353-1672-0 (2015)
88 S., geb., Schutzumschlag
€ 16,90 (D) | € 17,40 (A)

Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte

Christine Lavant schrieb Gedichte, die in ihrer sprachlichen Eigenwilligkeit und existentiellen Zerrissenheit für Thomas Bernhard zu den ‚Höhepunkten der deutschen Lyrik‘ zählen. Er beschrieb ihre Lyrik als ‚das elementare Zeugnis eines von allen guten Geistern mißbrauchten Menschen‘. Lavant selbst sah ihre Kunst als ‚verstümmeltes Leben, eine Sünde wider den Geist, unverzeihbar‘ und war sich der poetischen Kraft ihrer Gedichte dennoch gewiss:

‚Wenn ich dichtete, risse ich jede Stelle Eures Daseins unter Euren Füßen weg und stellte es als etwas noch nie von Euch Wahrgenommenes in Euer innerstes Gesicht‘.

Christine Lavant: Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte

Christine Lavant: Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte

Der erste Band der vierbändigen Werkausgabe versammelt alle zu Lebzeiten publizierten Gedichte in einer komplett neu edierten Fassung. Er enthält neben den drei Gedichtbänden, die Lavants Ruhm begründet haben (‚Die Bettlerschale‘, ‚Spindel im Mond‘, ‚Der Pfauenschrei‘), auch das Frühwerk ‚Die unvollendete Liebe‘, Lavants späte, in Liebhaberausgaben und Sammelbänden veröffentlichte Lyrik (‚Sonnenvogel‘, ‚Wirf ab den Lehm‘, ‚Hälfte des Herzens‘) sowie zahlreiche verstreute Gedichte, die erstmals wieder zugänglich gemacht werden.

Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte
ISBN 978-3-8353-1391-0 (2014)
720 S., Leinen, Schutzumschlag
€ 38,00 (D) | € 39,10 (A)

Das Wechselbälgchen

Christine Lavant, die große österreichische Lyrikerin, ist als Prosaautorin neu zu entdecken. Ihre ganz unvergleichliche Erzählung »Das Wechselbälgchen« – jetzt wieder lieferbar.

wechselbaelgchen-181x300Zitha ist vom Schicksal geschlagen. Sie ist das uneheliche Kind einer Bauernmagd, geistig zurückgeblieben und körperlich entstellt. Die Leute im Dorf, die so katholisch wie abergläubisch befangen sind, haben für das traurige Schicksal des Mädchens eine einfache Erklärung: Böse Geister haben der unglücklichen Magd nach der Geburt das Kind geraubt und ihr stattdessen ein verhextes Mädchen untergeschoben. Einen Wechselbalg, wie er aus Sagen und Gespenstergeschichten der Alpengegenden bekannt ist. Er werde das ganze Dorf ins Unglück stürzen, heißt es. So nimmt der kollektive Wahn seinen Lauf, gegen den auch die Liebe der Mutter nichts auszurichten vermag. Schließlich wird dem Mädchen sogar nach dem Leben getrachtet.
Christine Lavant beschreibt die Ausgrenzung einer Schwachen aus der dörflichen Gemeinschaft mit großer Eindringlichkeit. Die erst 1998 posthum veröffentlichte Erzählung steht auch für die Gefährdung unserer Zivilisation, die sich nicht zuletzt zu Lebzeiten Christine Lavants in der »Vernichtung unwerten Lebens« durch die Nationalsozialisten gezeigt hat. Nachdem »Das Wechselbälgchen« längere Zeit vergriffen war, erscheint die Erzählung nun erstmals im Wallstein Verlag, herausgegeben von Klaus Amann, der eine kommentierte Werkausgabe von Christine Lavant vorbereitet.

Das Wechselbälgchen
Erzählung
ISBN 978-3-8353-1147-3 (2012)
104 S., geb., Schutzumschlag
€ 16,90 (D) | € 17,40 (A)

Das Wechselbälgchen

Christine Lavant, Sophie Rois, Franz Hautzinger, Matthias Loibner, Peter Rosmanith
Das Wechselbälgchen
Klangbuch mit 2 CDs

big_9783854764793

2015 jährt sich der Geburtstag von Christine Lavant zum hundertsten Mal. Ein Anlass, die Prosa der großen Lyrikerin neu zu entdecken. In der nun als Klangbuch erscheinenden Erzählung »Das Wechselbälgchen« spricht Sophie Rois diesen magischen Text. Ein Glücksfall, denn ihre raue, unverwechselbare Stimme transportiert Lavants Text zwingend, direkt und ohne Sentimentalität.
Erzählt wird die Geschichte von Zitha, sie ist das uneheliche Kind einer Bauernmagd, geistig zurückgeblieben und körperlich entstellt. Die Leute im Dorf, so katholisch wie abergläubisch befangen, haben für das Schicksal des Mädchens eine einfache Erklärung: Der Teufel hat der unglücklichen Magd einen Wechselbalg untergeschoben.
Christine Lavant schöpft bei dieser Erzählung aus ihren eigenen schmerzlichen Erfahrungen. Von Kindheit an litt sie an schwersten Erkrankungen. Sie kennt das Milieu des abgeschlossenen, von Inzucht und Aberglauben geprägten Tals gut. Nahezu ohne formale Schulbildung aber mit außergewöhnlicher Sensibilität und scharfem Intellekt, beginnt sie schon in den 1930er Jahren zu schreiben und wurde schon zu Lebzeiten bekannt und für ihre Lyrik durch Preise geehrt.

Sophie Rois, eine der profiliertesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum, erzählt die Geschichte voll archaischer Wucht und Gegenwärtigkeit.
Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Peter Rosmanith gestalten mit ihrer ungewöhnlichen Instrumentierung (Trompete, Drehleier und Perkussion) einen fiebrig rauen Soundtrack, der scheinbar absichtslos die Wörter umspielt und dem Text die Räume öffnet, die er braucht.
Christine Lavant (eigentlich Christine Habernig, geb. Thonhauser): 4. Juli 1915 – 7. Juni 1973.

Das Wechselbälgchen
Klangbuch mit 2 CDs
48 Seiten
Format 13 x 18
Gebunden
24.90 €
ISBN: 978385476-479-3

Neuere Beiträge »

© 2017 Christine Lavant

Theme von Anders NorénHoch ↑